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Genehmigung für Upper Mustang wird günstiger

Gute Nachricht für Trekking-Enthusiast(inn)en, die einen Aufenthalt in Nepal planen: Die Regierung hat die Gebühren für die Genehmigung eines Besuches in der tibetisch geprägten Region Upper Mustang und deren Hauptstadt Lo Manthang deutlich reduziert. Bisher mussten 500 US-Dollar für zehn Tage gelöst werden, unabhängig von der tatsächlichen Dauer des Besuchs. Nun sind pro Tag 50 US-Dollar fällig. Das ist zwar keine echte Vergünstigung, doch die meisten Besucher/-innen in Upper Mustang sind mittlerweile nicht mehr zu Fuß, sondern im 4WD (automatischer Allradantrieb) unterwegs und benötigen für den  Besuch nicht mehr als vier Tage. Vermutlich wird ein beträchtlicher Anteil der westlichen Tourist(inn)en den Besuch sogar als Tagesausflug abhaken. Für sie wird der Permit nur noch ein Zehntel des früheren Preises kosten. Für Wanderfreunde und Wanderfreundinnen, die nur einen ganz geringen Prozentsatz der westlichen Besucher/-innen ausmachen, bleibt alles beim Alten: Zehn Tage kosten auch in Zukunft 500 US-Dollar und jeder weitere Tag 50 US-Dollar.

Dieser Schritt war überfällig, denn die ursprüngliche Begründung für die hohen Gebühren ist lange entfallen. Seit 1992 dürfen Ausländer/-innen die Region besuchen, die wie ein Daumen in die chinesische Region Tibet hineinragt. Argumentiert wurde damals, die Gebühren seien so hoch, um im kulturell fragilen Gebiet Upper Mustang Entwicklungen (heute würde man es overtourism nennen) wie im angrenzenden Trekking-Gebiet Annapurna (wozu Lower Mustang mit dem Hauptort Jomsom gehört) zu vermeiden. Lower Mustang als Region und die lokale Bevölkerung im Speziellen haben zwar nicht schlecht vom Wandertourismus profitiert, doch vom Tourismusministerium wurde verfügt, eine kleine Anzahl Tourist(inn)en, die viel ausgibt, sei für Upper Mustang verträglicher als eine größere Anzahl „Billig-Trekker“ beiderlei Geschlechts (in der Art verteidigt auch Bhutan seine immens teuren Visa). Seit ungefähr zehn Jahren ist jedoch Lo Manthang im Jeep einfach zu erreichen und die Anzahl der Besucher/-innen stark angeschwollen. Allerdings handelt es sich nun fast ausschließlich um einheimische (domestic) Tourist(inn)en, die keinerlei Gebühren entrichten müssen, nicht einmal für den Nationalpark Annapurna. Das Argument, Besucher/-innen aus dem Westen müssten einen hohen Beitrag entrichten, damit Upper Mustang nicht übermäßig belastet sei, ist so gänzlich entfallen. Vermutlich konnte die Tourismus-Lobby (ausländische Besucher/-inen) das Ministerium davon überzeugen, dass durch die Reduktion der Gebühren die Anzahl der Tourist(inn)en und der Gewinn ansteigen werden.

Trotz der erheblichen Belastung durch domestic tourists lohnt sich ein Besuch von Upper Mustang und besonders Lo Manthang. Die historische Altstadt, nach wie vor von einer intakten Wehrmauer umgeben, ist praktisch im Originalzustand erhalten geblieben. In allen tibetisch geprägten Regionen Chinas wird es kaum einen ähnlich erhaltenen Ort geben. In Nepal geschah dies nicht als bewusster Akt, um tibetische Kultur auf eigenem Boden zu bewahren, sondern durch reine Vernachlässigung. Zusätzlich war Mustang lange ein nur ganz schwach mit Nepal assoziiertes Fürstentum. Richtig abgeschottet wurde die Region ab den 1960er Jahren, als die CIA eine Guerillatruppe tibetischer Khampa-Krieger aufbaute, die Mustang als Rückzugsgebiet für Attacken jenseits der Grenze in Tibet/China nutzten. Auch Michel Peissel, der 1964 als einer von ganz wenigen Ausländern Upper Mustang besuchen durfte, traf mit diesen Khampas zusammen. Manche ihrer damaligen Lager können noch besucht werden. Mit Nixons Besuch in Beijing endete die Unterstützung durch die USA. China drohte Nepal offen, auf sein Gebiet vorzudringen, sollte es nicht selbst das „Problem“ lösen. Nach dieser Polizeiaktion war Upper Mustang bis 1992 völlig unzugänglich, dies angeblich ebenfalls aus Rücksicht auf die fragile Kultur und Umwelt.

In Nepal erhofft sich die Interessenvertretung der westlichen Tourist(inn)en weitere Ermäßigungen und Erleichterungen, was die Kosten und Vorschriften für die einzelnen Trekking-Regionen betrifft. Entlang dem ganzen Himalaya gilt ein unverständliches Regime an Regeln und Gebühren, wie es nur eine Bürokratie entwickeln kann, die selbst nicht mit der Materie befasst ist. Dabei gilt für den Rest des Landes dasselbe wie in Upper Mustang: Wenn das System vereinfacht und verbilligt wird, kommen vor allem auch mehr ausländische Tourist(inn)en, Wanderinnen und Wanderer, was den Gesamtertrag steigert.

M.S.

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