Das Resultat der Wahl in Bangladesch am 12. Februar signalisiert ein großes Bedürfnis nach Stabilität und Kontinuität. Nicht nach einem Neuanfang (abgesehen von Reformen der Verfassung, die aber die Lebensrealität nur wenig betreffen) und keinesfalls nach einem echten Umbruch. Die meisten Beobachter/-innen sind damit vollauf zufrieden. Denn plötzlich war es im Bereich des Möglichen, dass die Frauen, die noch an der Spitze der Gen Z-Proteste standen, Teile ihrer hart erkämpften Rechte durch die auf einmal wiedererstarkten Islamisten der Jamaat-e Islami erneut verlieren könnten.
Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 60 Prozent gewann Tarique Rahman, Sohn der neulich verstorbenen Parteipatriarchin Khaleda Zia und Vorsitzender der von ihr sozusagen ererbten Bangladesch Nationalist Party (BNP) mit knapp 50 Prozent der Stimmen. Die BNP kann 209 von 300 „allgemeinen“ Mandaten einnehmen. Insgesamt hat das Parlament 350 Sitze. 50 Sitze sind exklusiv für Frauen reserviert, deren Status – neutral, parteilos? – nicht eindeutig ist. Die BNP kann damit einen Erdrutschsieg feiern. Doch war ihr Erzfeind, im aufgeheizten Klima von (Ost-und West-) Bengalen kann man das so nennen, die Awami League der verfemten, geflohenen und verurteilten Ex-Mehrfachpremierministerin Hasina Wahed, ausgeschlossen.
Die BNP – und ihr neuer Vorsitzender – sind alles andere als unumstritten. Die BNP an der Macht, bisher unter Khaleda Zia, muss sich die gleichen Vorwürfe gefallen lassen wie die Awami League: Korruption, Nepotismus, Unfähigkeit. Tarique Rehman spielte eine undurchsichtige Rolle als Kronprinz der Chefin während der letzten Machtphase der BNP 2001 bis 2006. Nach dem Wahlsieg der Awami League begab er sich ins „selbst auferlegte“ Exil nach London und kehrte vor weniger als zwei Monaten nach 17 Jahren zurück.
Die Jamaat-e Islami fuhr mit 68 Sitzen ihr allzeit bestes Ergebnis ein. Und das mit einer gerade in Bezug auf Frauen erzkonservativen Agenda. Sie hatte aber, auch aufgrund von Absprachen mit der Gen Z, deutlich mehr erhofft – und andere befürchtet. Der Erfolg der im Normalfall irrelevanten religiösen Hardliner kann nur mit Verwirrung und Ungewissheit erklärt werden. Wiederrum traut der Großteil der Bevölkerung offensichtlich den Aktivisten der Gen Z zwar eine Revolte, aber nicht die Führung des Landes zu. Das zeigt sich an den kümmerlichen sechs Sitzen, die die Partei der Gen Z, die National Citizien Party, gewann. Das ist kein gutes Omen für andere politische Inkarnationen dieser Protestbewegung. Viel bleibt eben nur Emotion, die auch in Bengalen schnell abkühlt und kurzlebige Social Media Action, die oberflächlich und schnell vergessen ist.
Die auch in Nepal aufgrund einer Gen Z Protestwelle vorgezogenen Neuwahlen finden am heute, am 5. März statt. Nach einem trägen Beginn kam Anfang 2026 doch einige Dynamik ins Spiel, wenn auch wieder vornehmlich in den etablierten Parteien. Eine echte Politinkarnation wie die National Citizien Party in Bangladesch hat sich keine gebildet. Nach hartem und zähem Ringen gelang der größten Partei, dem Nepali Congress (NC) der längst überfällige Generationswechsel an der Spitze. Der knapp 80jährige Fünffachpremier Sher Bahadur Deuba wurde vom 30 Jahre jüngeren Gagan Kumar Thapa – demokratisch auf einem Parteitag – abgelöst. So kann der NC seinen Wähler(inne)n und der Bevölkerung zumindest glaubhaft versprechen, einen Neuanfang mit wirklich neuen Gesichtern zu wagen.
Die zweite Großpartei, die Kommunisten der Unified Marxist-Leninist (UML) kann das nicht bieten. Unter der Fuchtel von Parteipatriarch K.P. Sharma Oli, dem im September geschassten Premier, geht es in die Wahl. Dies ist ein gewagtes Spiel, denn Oli ist in der Bevölkerung nach wie vor der unbeliebteste oder genauer gesagt meistgehasste Politiker im Land. Ob sein „Charme“ oder Chuzpe noch wirken, ist mehr als fraglich. Und ihm droht ganz persönliches Ungemach. In seinem Wahlkreis Jhapa-5 im südöstlichsten Zipfel des Landes wird ihn Balendra Shah, der dafür als Bürgermeister Kathmandus zurückgetreten ist, herausfordern. Shah ist die Gen Z in Person und wohl aktuell und ganz im Gegensatz Oli, der beliebteste Politiker Nepals. Shah tritt als Kandidat der schwer einzuschätzenden National Independence Party (RSP, Rastriya Swatantra Party) des kontroversen Rabi Lamichhane an. Rabi ist aufgrund eines Korruptionsskandals aus seiner Zeit als nationaler Innenminister nur auf Kaution auf freiem Fuß.
Sollte Oli gegen Shah verlieren, ist nicht nur seine Laufbahn (er wird 75), sondern vermutlich auch die seiner Partei beendet. Der beliebte Kul Man Ghising hat die RSP nach wenigen Tagen wieder verlassen. Kaum einzuschätzen sind die Chancen der Royalisten. Sie sind zwar präsent, jedoch kann und will sich kaum jemand eine tragende Rolle der früheren Königsfamilie vorstellen. Und gleich gar nicht die Wiedereinführung der Monarchie. Sehr bald wissen wir mehr.
M.S.






