Die Machtfülle von Feldmarschall Asim Munir nimmt weiter zu. Formal bleibt er als chief of army staff (COAS, Oberkommandierender des Heeres) und auch auf der neu geschaffenen Position des chief of defence forces seinen zivilen Vorgesetzten nachgeordnet. Doch im wirklichen Machtgefüge, im hybriden – zivil-militärischen (oder umgekehrt) – System, ist er durch die letzte Beförderung noch unangefochtener als zuvor die Nummer Eins im Land. Das Gleichgewicht hat sich noch weiter auf die Seite des Militärs hin verschoben, von der degradierten republikanischen Verfassung bleibt kaum Dekoration übrig. Auch wenn er den direkten Griff zur Macht nicht vollzieht, ist Munir nur eine Handbreit von der Machtfülle der vier bisherigen Militärdiktatoren Pervaiz Musharraf, Zia-ul Haq, Yahya Khan und Ayub Khan entfernt. Seine wiederholten Besuche im Weißen Haus beweisen es eindrücklich: Bei entscheidenden deals verhandelt Präsident Trump mit my favourite field marshal (O-Ton Trump) und nicht mit Präsident Zardari oder Premierminister Sharif.
Munir wurde 1968 in Rawalpindi, wo sich die militärische Elite wie sonst nirgends zu Hause fühlt, geboren. Der talentierte und machtbewusste Offizier machte rasch Karriere und folgte Ende 2022 General Qamar Bajwa auf die Position des COAS. Formal war jener dem chairman joint chiefs of staff committee (CJCSC, Vorsitzender des Komitees der vereinten Stabschefs, der Vorsitzende der Befehlshaber von Heer, Marine und Luftwaffe) untergeordnet. Doch in Wirklichkeit war die Position des COAS die mächtigste innerhalb der Streitkräfte. Im Mai 2025, nach dem kurzen Luftkrieg mit Indien, wurde Munir vom Viersterne-General zum Field Marshal befördert. Ein besonderer Vorgang, schließlich wurde dieser Rang überhaupt erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Landes vergeben. Der einzige vorherige Feldmarschall ist Ayub Khan, von 1958 bis 1969 auch Präsident von Pakistan. Mit der Verabschiedung des 27th amendment (27. Zusatzartikel zur Verfassung) durch das Parlament am 13.November 2025 wurde das Amt des CJCSC abgeschafft und durch das Amt des chief of defence forces ersetzt. Feldmarschall Asim Munir wurde am 4. Dezember 2025 zum ersten Chef der Verteidigungskräfte ernannt. Da er auch weiterhin Chef des Armeestabes bleibt, ist er nun formell und informell der höchste Militär und damit doppelt die mächtigste Person Pakistans.
Das 27th amendment umfasst einen ganzen Katalog an Maßnahmen zur Machtkonsolidierung und ist ein Versucht der politischen Stabilisierung. Neben der Reform der Kommandostruktur innerhalb der Streitkräfte sind vor allem die weiteren Beschneidungen der Kompetenzen des Obersten Gerichtshofs, des Supreme Courts, im Speziellen und der Gerichtsbarkeit im Allgemeinen von Bedeutung. Verändert wurde unter anderem das Prozedere zur Ernennung von Richtern am Supreme Court und die Dauer der Amtszeit. Es wird sich weisen, ob die Richter am Supreme Court und den High Courts der Provinzen endgültig zu jenen bloßen Befehlsempfängern degenerieren, wie man sie nach mehreren Verfassungszusätzen schon länger gerne hätte. Zwei Richter erklärten nach der Verabschiedung des 27.Zusatzartikels aus Protest ihren Rücktritt (siehe auch SÜDASIEN Heft 4).
Feldmarschall Munir scheint erpicht darauf, seine demokratischen Mitspieler so weit als möglich an den Rand zu drängen und die ganze Staatsmaschinerie auf seine Institution und seine Person zuzuschneiden. Mehr Macht für das Militär unter angeblich demokratischen, verfassungsrechtlichen Vorzeichen ist nur schwerlich möglich: De facto ist Pakistan spätestens seit der Abwahl und Inhaftierung Imran Khans zum fünften Mal ein Militärstaat und Militärregime. Mit dem Unterschied zu früher, dass den Parteien, allen voran jene an der Regierung, PML-N (Pakistan Muslim League (N)) und PPP (Pakistan People’s Party), ein kleiner Zipfel der Macht lieber ist als das Schicksal der PTI (Pakistan Tehreek-e-Insaf): Verbot und tausendfache Inhaftierung. Steigbügelhalter und Helfershelfer der Generäle sind die zivilen Politiker/-innen fast immer gewesen, selten aber haben sie sich in ihr Los so willfährig ergeben wie unter Shehbaz Sharif und Bilawal Bhutto. Der tiefste Punkt war nicht die Blitzverabschiedung des 27th amendment, sondern die völlig manipulierten Wahlen – der Wahlbetrug – zum Nationalparlament im Februar 2024. Imran Khan, schon in Haft, lag lange trotz aller Benachteiligungen vorne. Dann brachten ihn die vereinten Kräfte von Armee, demokratischen Parteien und Jurisdiktion um den Sieg und das Amt des Premierministers.
Einen ausführlichen Artikel zur Thematik von Salman Rafi Sheikh findet man auf der Seite von Himal. Immer wieder überraschend, wie solche Texte IN Pakistan noch verfasst werden können: https://www.himalmag.com/politics/pakistan-27amendment-constitution-military-asim-munir
M.S.






