Von 2007 bis 2009 gehörte das Tal von Swat im Nordwesten der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa (KP) zu den Hotspots der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Armee und TTP (Tehreek-e Taliban Pakistan). Fast zwei Jahre befand sich das für seine natürliche Schönheit bekannte Tal in der Hand paschtunischer, ultrakonservativer Krieger. Jahre später gerieten das Tal und die TTP erneut in die Schlagzeilen, als Malala Yousafzai im Alter von 15 Jahren Ziel eines TTP-Angriffs gegen einen Schulbus wurde und nur knapp überlebte. Während der Besatzung hatte die TTP Mädchenschulen geschlossen. Malala Yousafzai hatte sich der Schließung widersetzt und erhielt für ihren Mut 2014 den Friedensnobelpreis. Ihre Heimat musste sie aber Richtung England verlassen.
Seit der Machtergreifung der Taliban in Kabul vor fünf Jahren nehmen trotz Hightech-Zäunen und Videoüberwachung die Aktivitäten der TTP auf Pakistans Seite der umstrittenen Grenze wieder zu. Im Swat-Tal war es vergleichsweise ruhig, Gefechte fanden mehr im Süden von KP statt. Am 2. August attackierte nun ein Selbstmordattentäter ein Polizeirevier in Kabal, einem Dorf, zehn Kilometer entfernt von der Landeshauptstadt Saidu Sharif. Bislang ist von 17 Todesopfern die Rede, darunter mehrere Polizisten. Die Zahl kann sich erhöhen. Es ist zu befürchten, dass dies der Start einer neuen Kampagne der TTP im Swat-Tal werden könnte. Die Begleitumstände lassen nichts Gutes ahnen.
Soweit bekannt, geschah der Anschlag während nahe des Polizeipostens eine größere Kundgebung stattfand. Die Protestierenden prangerten die schlechter werdende Sicherheitslage an und traten für Verständigung und Frieden ein. Ein Gutteil der Bevölkerung kritisiert die staatlichen Organe, weil sie nicht in der Lage sind, Sicherheit zu gewährleisten. Der Zorn gilt weniger der TTP als den Behörden in Islamabad, jedoch nicht denen in Peshawar.
Es ist eine nur zu bekannte Gemengelage in der Provinz: Je mehr sich die Attacken der TTP häufen, umso stärker gerät der Staat in die Kritik. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Partei des inhaftierten Imran Khan, die Pakistan Tehreeq-e Insaf (PTI), nach wie vor großen Zuspruch in KP erfährt. Imran Khan ist formal deren Vorsitzender, und die PTI führt die Provinzregierung in Sohail Afridi an. Umgekehrt groß ist der Unmut in KP gegen die Zentralregierung in Islamabad.
Hinzu kommen zahllose Undercover-Operationen der Armee in der Provinz gegen die TTP, die zum Dauerzustand geworden sind. Es ist weniger ein Antiterrorkampf in KP, eher ein Bürger- oder Befreiungskrieg. Die Operationen der Armee erreichen ihre Ziele jedoch nicht, zwingen stattdessen mehr und mehr Menschen zur Flucht, weil in der permanenten Ausnahmesituation kein normales Leben möglich ist. Im Swat-Tal bemerkt man außerdem die Sicherheitslage im nördlichen Bajaur an der Grenze zu Afghanistan – ein TTP-Schwerpunkt. Ebenso schaut man auf Shangla im Osten. Dort kommt es immer wieder zu Attacken gegen Vertragsarbeiter aus China.
Was seit Ende der Machtübernahme der Taliban 2021 entlang der Durand Line (Grenze zu Afghanistan) geschieht, weiß niemand so recht. Das Militär (Interservice Public Relations, ISPR) will zwar unbedingt den Eindruck erwecken, alles sei unter Kontrolle. Die paschtunischen Bewohner/-innen in KP wollen ihrerseits zwar kein Taliban-Regime in Peshawar, lehnen jedoch mehr noch das hybride, militär-zivile Regime in Islamabad ab.
M.S.
Texthinweis
https://www.dawn.com/news/2020298/14-dead-18-injured-in-suicide-blast-near-swat-police-station
Letzter Absatz von https://www.dawn.com/news/2020265/a-hard-state






