Berichte über die zerstörerischen Folgen der Monsunregenfälle in Südasien sind nicht neu. Sie fordern Menschenleben, provozieren Erdrutsche, schneiden große Gebiete von der Außenwelt ab und vertreiben Menschen in großer Zahl. Die Regierungen und Bevölkerungen haben Maßnahmen gegen solche Folge einschließlich zur Vorsorge ergriffen. Bis heute müssen sich die Menschen jedoch vor allem gegenseitig helfen, da Regierungen nur zögerlich reagieren oder aufgrund politisch-administrativer Umbrüche zu unmittelbaren Reaktionen nicht in der Lage sind. Nun kommen Extremwetterereignisse in geradezu rascher Abfolge hinzu, die offizielle und wirksame Reaktionen deutlich erschweren.
Ende Juli wurde Südasien schwer von Überschwemmungen infolge der Monsunregenfälle getroffen. Allein im Nordosten Indiens erfasste dies knapp 365.000 Menschen. Im Gebiet des Upper Assam wurden 80 Todesfälle gemeldet und 19.100 Hektar Anbaufläche überflutet. In Pakistan setzte eine zweite Monsunregenphase ein, wobei die erste Phase der jüngsten Überschwemmungen bereits über 100 Todesopfer forderte. Viele Menschen mussten mit Booten aus ihren Häusern fliehen, andere blieben ohne Zugang zu Strom oder sauberem Wasser. In Afghanistan war die östliche Provinz Nuristan landesweit am stärksten von Überschwemmungen betroffen. Rund 120 Familien benötigten humanitäre Hilfe. Aus der Provinzhauptstadt Parun wurden 40 Todesopfer gemeldet. In Bangladesch sind über 40 Distrikte überschwemmt worden. Die Preise für Reis, Eier, Mehl und Gemüse stiegen abrupt, da die Überschwemmungen Ernten und Geflügelzuchtbetriebe beschädigten oder zerstörten. In Nepal ist der Verkehr auf den Hauptverkehrsstraßen aufgrund starker Regenfälle und der Gefahr von Erdrutschen behindert.
Das Internetportal Southasia Weekly interviewte Ende Juli zwei Experten zu diesen jüngsten Ereignissen. Daanish Mustafa, Professor für Geografie am King’s College in London erklärte, dass viele der Opfer in Bergregionen oder tief gelegenen Gebieten aufgrund schlecht geplanter Straßen- und Infrastrukturprojekte sowie wahlloser Abholzung zu „Opfern der Entwicklung“ geworden sind. Die Interessen kommerzieller Immobilienentwickler haben weiterhin Vorrang.
Manjeet Dhakal, Direktor am Climate Analytics South Asia in Kathmandu, erklärte, die Vorsorge habe sich ohne Zweifel durch Vorhersagen, Frühwarnsysteme und meteorologische Dienste verbessert. Währenddessen stiegen die Temperaturen global an und dies führe wiederum zu intensiveren Extremniederschlägen. Die für frühere Extremwettereignisse konzipierte Infrastruktur, Warnschwellen und Reaktionspläne würden möglicherweise nicht mehr ausreichen.
Wissenschaftliche Prognosen sagen für die kommenden Monate ein sich rasch verstärkendes, geradezu rekordverdächtiges El-Niño-Phänomen voraus, das auch in Südasien die Meere überdurchschnittlich erwärmt, schwache Passatwinde mit sich bringt und extreme Wetterereignisse herbeiführen wird. Zu den prognostizierten Auswirkungen für Südasien zählen ein trockenerer Monsun und häufigere Hitzewellen.
Laut Manjeet Dhakal führe der Klimawandel zu häufigeren und heftiger auftretenden El-Niño-Ereignissen, weil er Atmosphäre und Ozeane zusätzlich erwärmt. So verstärken sich die mit El-Niño verbundenen Auswirkungen, darunter extreme Hitze und Starkregen. Die Intensität des Starkregens bedingt heftigere Überschwemmungen, verbunden mit Erdrutschen, Ernteausfällen, Infrastrukturschäden und massiven Fluchtbewegungen. Dies habe wieder Kettenreaktionen zur Folge, die sich auch auf entfernt liegende Gemeinden und viele verschiedene Sektoren auswirkten.
Mehr denn je müsse über Klimakrise und Vorbeugemaßnahmen diskutiert werden. Politische Entscheidungsträger/-innen müssten die Klimakrise zum zentralen Thema der politischen Agenda in Südasien befördern. Die Regierungen Südasiens erörtern zwar eine bessere Wasserbewirtschaftung, Warnsysteme und technische Kapazitäten sowie die Eindämmung etwa der nicht regulierten Sandgewinnung oder Steinbruchbetrieben, die die Stabilität der lokalen Umwelt gefährden oder zerstören. Dies wird aber so nicht reichen, wie im Juni 2026 die Bonner Konferenz zur Vorbereitung der COP 31 (Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) im November in Antalya (Türkei) feststellte (siehe SÜDASIEN Heft 2-2026).
Theodor Rathgeber
Texthinweis
Southasia Weekly, 31.07., Monsoon rains, extreme weather and the climate crisis.






