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Tsunami im Himalaya – auch ein Spendenaufruf

Über die Katastrophe vom 26. August wird in den deutschen Medien fortlaufend ausführlich berichtet. Hier nun Informationen und Eindrücke, über die weniger berichtet wird.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren – Nepals Distrikt Rasuwa an der Grenze zu China wird, obwohl geographisch und geologisch keine Ausnahme, seit einigen Jahren so hart von schwerwiegenden Naturereignissen getroffen wie kein anderer. Und müsste man einen besonderen Punkt fixieren, die Wahl fiele auf Rasuwagadhi, wo eine chinesische Überwachungskamera das erste, geradezu apokalyptische Video eines Tsunami an Land filmte.

Die fast unheimliche Abfolge von Desastern beginnt mit dem Erdbeben am 25. April 2015. In Nepals kleinstem Distrikt im Himalaya kommen trotz keinerlei Urbanisierung mehrere hundert Menschen ums Leben. Ein Schwerpunkt ist der Grenzort Rasuwagadhi, wo die Zollgebäude unter Geröll verschwinden. Das schlimmste Unglück ereignete sich jedoch etwas weiter östlich. Nur wenige Sekunden nach den Erdstößen kommt es im Tal von Langtang, einem von Trekkern stark frequentierten Wandergebiet, sozusagen zur Katastrophe nach der Katastrophe. Knapp unter dem Gipfel des 7234 Meter hohen Langtang Lirung löst sich von dessen Nordwestseite ein gewaltiger Hängegletscher und stürzt im freien Fall fast 4000 Meter auf das an seinem Fuße liegende Dorf Langtang. Sekundenbruchteile bevor die kaum vorstellbare Energie aus Fels, Geröll, Eis und Wasser mit dem Dorf kollidiert und alles unter sich begräbt, fegt die Druckwelle einer Bombenexplosion alles im Umkreis von Kilometern hinweg. Auch damals waren unter den Opfern Ausländer/-innen, und viele von ihnen wurden nie geborgen. Und eben jener Langtang Lirung ist ziemlich wahrscheinlich wieder der Auslöser des jüngsten Unglücks.

Die Flut am Melamchi Khola (khola nep.=Fluss) im Juni 2021 geschah zwar nicht in Rasuwa, dafür aber unmittelbar hinter der nächsten Bergkette im angrenzenden Distrikt Sindhupalchowk. Jener war 2015 am Stärksten vom Erdbeben getroffen worden und man vermutet, dass damals destabilisierte Berghänge, die von Monsunregen aufgeweicht wurden, abrutschten und den Lauf des Melamchi versperrten. Jedoch wurde der verminderte Wasserdurchfluss sofort bemerkt und die Bewohner/-innen konnten sich rechtzeitig auf höhere Lagen retten. Offiziell gab es „nur“ 21 Todesopfer. Stark beschädigt wurde die Infrastruktur. Nach langer Bauzeit war eben erst die Wasserversorgung Kathmandus durch den Melamchi Tunnel aufgenommen worden – und jetzt wieder unterbrochen.

Am 8. Juli 2025 kam es in Rasuwagadhi, man kann es kaum anders nennen, zum Vorspiel des jetzigen Unglücks. Starke Monsunregenfälle, wohl in Verbindung mit einem Gletscherseeausbruch, rissen direkt vor dem chinesischen Grenzgebäude die Brücke über den Lhende Khola weg. Rasuwagadhi, mittlerweile der wichtigste Grenzübergang zwischen China und Nepal, musste den Betrieb einstellen. 17 Menschen waren entweder tot oder vermisst, hunderte Fahrzeuge wurden davon geschwemmt. Im Januar 2026 konnte China die neue „Freundschaftsbrücke“ fertigstellen und den Grenzverkehr wie gewohnt aufnehmen. Flussabwärts kam es nur zu geringen Schäden, dafür waren die Verluste für Nepal durch die ein halbes Jahr blockierte Grenze immens.

Obwohl Rasuwagadhi die kürzeste Verbindung zwischen Tibet (China) und Nepal ist, war die Grenze lange nur für die Bewohner/-innen beider Länder geöffnet. Den Vorzug als internationalen Grenzübergang erhielt das weiter östlich in Sindhupalchowk gelegene Kodari (Zhangmu oder Khasa auf chinesischer Seite). Allerdings war die steile, serpentinenreiche Straße extrem anfällig für Erdrutsche während der Monsunzeit und just während des Erdbebens im April 2015 wurden Kodari und Zhangmu völlig zerstört. Erst darauf fiel die Entscheidung, stattdessen Rasuwagadhi zur internationalen Grenze auszubauen. Parallel dazu begannen die Planungen für eine Eisenbahn von Lhasa nach Kathmandu, der ersten Transhimalaya-Bahn. Besonders in Indien stieß dieses Vorhaben auf großes Misstrauen. Die Zukunft dieses Projekts, wie überhaupt die des Grenzübergangs und der laut BBC 14(!) zerstörten oder beschädigten Wasserkraftwerke, ist völlig ungewiss.

Das gilt insbesondere auch für die tiefer gelegenen Ortschaften. Timure, drei Kilometer südlich von Rasuwadhi, war ein reines Grenzdorf, das nicht aufgebaut zu werden braucht, wenn die Grenze geschlossen bleibt. Syabrubesi dagegen war ein normaler Bazaar der Umgebung, der schon vorher bestand. Die Gefahr weiterer Fluten ist jedoch nur zu real – nicht nur in Rasuwa. Der Monsun fordert im ganzen Land jedes Jahr hunderte Opfer. Wie das werden soll, ist ungewiss.

Symbol der völligen Auslöschung ist das Fort von Rasuwagadhi. Dieser kleine Komplex, erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts, überstand, anders als die moderneren Gebäude, das Erdbeben von 2015, und das um wenige Meter. Elf Jahre später ist es nur noch Erinnerung.

Zum Schluss ein Spendenaufruf. Eine solche Katastrophe übersteigt die Fähigkeiten jeder Nation. Nepals Geographie wird zu seiner Last. Es braucht dringend unsere Solidarität. Mit einer Suchmaschine und den wenige Stichworten „Spenden Nepal“ ist schnell die passende Hilfsorganisation gefunden.

M.S.

Texthinweise

https://en.wikipedia.org/wiki/Sino-Nepalese_War

https://en.wikipedia.org/wiki/Rasuwa_Fort

https://en.wikipedia.org/wiki/China%E2%80%93Nepal_railway

https://en.wikipedia.org/wiki/2025_Nepal_floods

 

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