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GEDRÄNGE

Manchmal braucht es nur wenige Zeilen,
um eine ganze Situation sichtbar zu machen.

Das Gedicht „Gedränge“ führt mitten hinein in einen Moment,
den viele kennen:
das Gefühl, sich kleiner machen zu müssen,
um Platz zu finden.

GEDRÄNGE

Sankha Gosh

„Werden Sie kleiner, runter mit Ihnen, Herr“
„Werden Sie dünner, runter mit Ihnen, Herr“
„Haben Sie keine Augen? Sind Sie blind?“
„Machen Sie sich dünn, machen Sie sich klein –“

Wieviel kleiner soll ich noch werden, mein Gott
wenn ich im Gedränge stehe.
Bin ich denn immer wie ich
in der Menge, hinter der Szene?

Zum Gedicht

„Gedränge“ wirkt auf den ersten Blick wie eine alltägliche Szene.
Doch die wiederholten Aufforderungen – kleiner werden, sich anpassen, sich unscheinbar machen – verweisen auf mehr als körperliche Enge.
Das Gedicht stellt eine leise, aber eindringliche Frage:
Wie sehr verändert sich ein Mensch, wenn er sich ständig anpassen muss?

Zum Autor

Sankha Ghosh (1932–2021) gilt als einer der bedeutendsten Lyriker der modernen bengalischen Literatur. Seine Gedichte verbinden sprachliche Präzision mit gesellschaftlicher Sensibilität und einem feinen Gespür für alltägliche Machtverhältnisse. Die deutsche Übersetzung entstammt dem Band Gelobt sei der Pfau. Indische Lyrik der Gegenwart, herausgegeben von Alokeranjan Dasgupta (1986, Schneekluth Verlag, S. 29).

Foto: © Privat.

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