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Ailurophilie und Ailurophobismus

Da sitzt sie vor ihrem Bildschirm. Unser fleißiges Lieschen.

Unermüdlich hat sie wieder gearbeitet, an der neuen Ausgabe von SÜDASIEN.
„Protestkulturen in Südasien“, so lautet der Schwerpunkt der Ausgabe.

Ein Zeichen des Protests gegen Lieschens Arbeit scheint auch Lieschens Katze setzen zu wollen.
Mit weit offenem Maul gähnt sie aus dem Fenster.
Das widerspricht doch schon dem Arbeitsauftrag.

Widersprüchlich oder zumindest vielseitig ist auch die Einstellung zur Katze in Südasien. In Indien sind Katzen sprachlich mit dem weiblichen Geschlecht verbunden. Das verraten uns Begriffe wie „billi“ oder „bilari“. Man kommt aber auch nicht darum herum, dass sie in vielen Geschichten Südasiens als schlau, diebisch, hinterhältig, manipulativ und intrigant dargestellt werden. Und natürlich wird der Leser in diesen Geschichten eingeladen, daraus seine Moral zu ziehen.

Wie in hiesigen Gefilden ist auch der Aberglaube eng mit der Katze verbunden: Siehst du am Morgen zuerst eine Katze, dann … und kehre bitte sofort um, wenn eine schwarze Katze deinen Weg kreuzt, sonst …

Gleichzeitig herrscht aber auch genau die gegenteilige Sichtweise auf Katzen: Sie gelten als verehrungswürdig und als Geschöpfe Gottes. Auch in einigen buddhistischen Klöstern streifen sie sorglos umher. Überaus positiv werden Katzen aber vor allem im Islam dargestellt.

Bemerkenswert ist auch der Sri-Venkateswara-Tempel in Tirumala in Andhra Pradesh, wo seit jeher Zibetkatzen wegen ihres „Punugu“-Sekrets gehalten werden. Dieses Sekret wird für die Abhishekam-Zeremonie verwendet. Da die Zibetkatze jedoch unter dem indischen Wildtierschutzrecht steht, ist die Haltung dieser Tiere durch den Tempel rechtlich kompliziert.

Und dann ist da auch noch die auf einer Katze reitende Göttin Shashthi, die vor allem in Bengalen und Teilen Ostindiens verehrt wird. Hier steht sie mit Fruchtbarkeit, Geburt und dem Schutz von Kindern in Verbindung.

Und in Nordindien hält sich der Glaube, dass man eine getötete Katze nur durch eine aus Gold oder Silber angefertigte Katzenstatue für einen Tempel sühnen kann.

Man stellt fest, dass es mit der Katze wie so oft in Südasien ist: Sie ist vielseitig und widersprüchlich. Und genauso scheint es bei unserem Lieschen und ihrer Katze zu sein.

Ein großer Dankesmiau an Lieschen für das Katzenfoto. Aber ein noch größerer Dankesmiau für die unermüdliche Arbeit an der Zeitschrift.

Quelle:

https://www.downtoearth.org.in/wildlife-biodiversity/book-excerpt-the-cat-from-the-land-of-the-jatakas-and-panchatantra-93867

Foto: © Privat.

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