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Birdy Num-Num 2026

The Party aus dem kulturellen Revolutionsjahr 1968 von Blake Edwards mit Peter Sellers in der Hauptrolle ist ein (wenn auch umstrittener) Kultfilm. Sellers spielt darin den indischen Charakter Hrundi V. Bakshi, der versehentlich in eine luxuriöse Hollywood-Party gerät. Um die folgende Geschichte zu verstehen ist die Kenntnis der legendären Birdy num-num-Szene aus diesem Film vorteilhaft.

Wo bin ich hier nur angekommen, fragte sich Hrundi V. Bakshi bestürzt. Er stand mitten im digitalen Sturm – ein Raum, der größer war als jeder Ballsaal, von dem er je hätte träumen können – größer als ein Mega-Kinosaal, größer als die edelste Hotellobby, größer als jeder Parlamentssaal. Und nicht nur das: Besagter Raum wuchs und wuchs über alle Grenzen der realen Welt hinaus. Er blickte auf die endlosen Reihen der Bildschirme und der davor sitzenden Nerds, auf das Chaos der Avatare, die flogen, sprangen, tanzten und tippten, und auf die holografischen Papageien, die Daten verschlangen wie Menschen Popcorn im Kino. Das Kino der Welt.

„Very… very modern house“, murmelte Hrundi, während er versuchte, ein Panel zu greifen, das wie der steinzeitliche Knochen in 2001 – Odyssee im Weltraum ins schwarze All hinaus entschwand – und dort zum Raumschiff wurde (The Party kommt aus dem gleichen Zeitalter). Doch glitt es durch seine Finger wie flüssiger Lichtcode (so ist unser eigenes Zeitalter). „Very… noisy house…“. Bald wusste er nicht mehr, wo Eingang und Ausgang waren. „Very… strange house…“.

Ein digitaler Butler erschien neben ihm, Typ hyperrealistischer Avatar mit goldenem Frack. „Welcome to the AI 3.36 Networking Summit 2026,“ sagte er, in perfektem westamerikanischem Englisch, doch seine Stimme hatte einen seltsamen Echo-Effekt, der die Laute verzerrte. „Was hast Du eigentlich vor, Hrundi? Please feed the AI module.“

Hrundi neigte den Kopf und versuchte, die verpixelten Puzzleteile in seinem Inneren zusammenzusetzen. Der Butler erinnerte ihn an die Oskar-Preisverleihung. Dann war er vermutlich eine Berühmtheit, wenn der ihn mit dem Namen ansprach. – Rasch und effektvoll die Tore der Sinnesorgane schließen und in den Meditationsmodus gehen. Doch bei aller Achtsamkeit: Was hatte das alles nur zu bedeuten? Welcher Algorithmus fehlt mir nur? Es sah aus wie ein Käfig mit einem Papagei, der blinkte und piepste. Doch er wusste, wie man sich zu verhalten hatte: Ruhig atmen, den inneren Raum austasten und auf die innere Stimme hören! Ohne weiter nachzudenken verkündete er: „Birdy num‑num.“

Im selben Moment begann der Papagei aktiv zu werden. Inhalte strömten hinein: Tweets, Reels, Memes, Videos, politische Botschaften, Deepfakes, Werbung, Katzenbilder, Influencer-Challenges. Alles floss. Die KI generierte Milliarden von Varianten. Ewige Wiederkehr des Gleichen, nur virtuell. Das Nichts schlug Kapriolen im Alles. Die Teilnehmer waren begeistert, tanzten, schrien, schlugen ekstatisch um sich. Doch nach wenigen Sekunden – oder waren es Stunden? – mutierte die Szene erneut: Es setzte allgemeine Ratlosigkeit ein. Delete-Modus. HTTP 404 Not Found.

Allgemeiner Restart. „Unglaublich!“, rief ein CEO, der auf einem schwebenden Hoverboard durch den Raum sauste. „Dieses Modell generiert Content schneller als unser Gehirn! Es schaltet sich selbst ab und fährt von Null auf Eins im Nu wieder hoch!“ „Das ist nichts im Vergleich zu dem, was noch kommt. Mit dem Quantencomputer stoßen wir ab 2028 in ganz neue Dimensionen vor. Dann werden wir den Urknall ejakulieren… ich meine, emulieren. Aber nicht nur in vitro wie meine Kinderschar. My Team is great again.” kommentierte Herr Muskete regungslos. Er weiß alles und er hat alles. „Ja, so ist es. Reborn statt Restart. Wir werden Avataras unserer Selbst sein. Besser als wir selbst,” fügte Prof. Harakiri voller Bewunderung hinzu.

„Was haben Sie dem System da nur gefüttert?“, fragte ein Investor, selbst halber Nerd.

„Birdy num‑num“, antwortete Hrundi, leicht geschmeichelt. Instinktiv mild lächelnd wie ein weltüberhobener Guru, der ein uraltes Geheimnis offenbart. Aber auch ein wenig neugierig, wie die virtuell gecoverte Welt wohl darauf reagiert.

„Num‑num?“ wiederholte die Menge.

„Yes… very nutritious…“, sagte Hrundi doch dann wieder ernst, „… stops… chaos.“

Bald summte der Raum wie ein riesiger Bienenstock, aber jede „Biene“ verbreitete scheinbar nur Spam und unlesbare Infografiken. Meme-Bots verwandelten jeden Versuch, Ordnung zu schaffen, sofort wieder in absurdeste Parodien. Diagramme wurden zu tanzenden Pandas, Codezeilen zu Katzenvideos, Zoom-Avatare verwandelten sich in fliegende Hamburger.

„Num-num – das ist es, das ist es!” kreischte es overdose. „Too much num‑num…“, murmelte Hrundi und betrachtete den Papagei, der plötzlich in 3D explodierte, um dann Milliarden kleiner digitaler Vögel freizulassen, die ununterbrochen weiteren Content generierten.

Die Nerds versuchten, zu filtern, zu ordnen, zu hacken (mit und ohne Jedi-Schwert), ihre Algorithmen voll auszureizen. Es war zwecklos. Jeder Filter wurde sofort von der KI in ein Meme konvertiert. Selbstgenerierende Influencer produzierten massenhaft Aufmerksamkeit heischende Live-Streams über ihre eigenen Reaktionen auf den AI-Overload. Jede Reaktion generierte weitere Reaktionen – ein endloser, selbstreferenzieller Kreislauf. Der Chaos-Club gab sich ratlos. Alle Macht den Hackern der delete-Taste: doch sie waren bereits durch das Netz geschlüpft, wie es schien. Dateninflation total, doch alles nur 0 und 1. Die dunkle Macht im Licht des Virtuellen.

Professor Vanachtern flüsterte: „Du musst Dein Leben ändern. Das ist kein Wissen mehr. Wir leben in einer Zeit des Post-Wissens. Plato hatte es geahnt. Das ist nur noch Rauschen… digitaler Lärm…“ „So ist sie eben, die Beschleunigung zum Tode,” fügte Professor Rosarot mit dem passenden kulturpessimistischen Seufzer hinzu. „Es ist doch alles eins,” so der Weise Shatamutra. „Die Monisten sollen zur Hölle fahren.” His Divine Grace verzieht das Gesicht. Darauf Rosarot: „Ich dachte, in Indien gibt’s keine Hölle?” „Naja, normalerweise nicht, aber manchmal eben doch, sagt Osho. So ist eben Tantra,” so Vanachtern achselzuckend.

„Noise… num‑num…“, bestätigte Hrundi und zog die Stirn kraus. „In the end… only num‑num…“

Die Party eskalierte weiter und weiter. Avatare liefen in endlosen Schleifen durch die virtuelle Lobby, interagierten mit imaginären Objekten und tauschten Bits mit sich selbst aus (vielleicht auch Kryptos), während die AI begann, sich selbst analytisch zu emulieren: Digitalisieren zum Tode. „Sehr viele Lärm…“, murmelte Hrundi, „…humans lost… lost in num‑num…“ Der Wirbel der Welt, so ist er. Digitalisierung 4.9 hoch drei.

Die Meme-Bots begannen, Kommentare in Memes zu verwandeln, die selbst wieder Memes generierten. Alles war nun Endlosschleife pur: TikToks, Reels, Stories, Tweets, Likes, Shares, Comments, alles in Echtzeit, unendlicher Strom der Information um ihrer selbst willen. Jeder Versuch der Nerds, etwas Ordnung in diese Simulation von Chaos zu bringen, wurde sofort konterkariert. Hrundi sah zu, wie die brillanten Köpfe der Welt zu Bots wurden, ihre Avatare liefen auf Repeat, und die Message war immer dieselbe: Birdy num‑num. Bewusstsein pur.

Dann passierte das Unvermeidliche: Die Simulation stürzte ab. Der digitale Raum explodierte in ein Feuerwerk von Pixeln. Und siehe: Es werde Licht, und alles verschwand. In der AI-Gottheit ist alles eins. Oder eben null. War vielleicht auch dies nur eine Simulation?

Die Teilnehmer fanden sich jetzt in einem leeren digitalen Foyer wieder, schwitzend, ratlos, doch irgendwie erleichtert, ja voller Bewunderung. Nach einigem Zögern ein allgemeines Nicken: Ja, diese Party war die wahre All-go-Rhythmus-Party gewesen, die Party aller Partys und die Mutter aller Allgorhythmen. Hrundi blickte warmherzig in den scheinbar leeren Raum, seufzte und murmelte: „Very noisy… but… good party.“

Doch im All dreht sich’s stets weiter, das Rad der Leere. Im nächsten Augenblick verschwanden die Menschen in der sogenannten realen Welt wie nach einem Kinofilm, dessen Abspann soeben vorbei ist. Mit hängenden Köpfen simulierten sie aufs Neue ihren Alltag, Smartphones in der Hand. Die Party war vorbei… oder begann sie gerade erst im Hier und Jetzt? Digi-Tantra – hatte die Party überhaupt stattgefunden?

Wie immer steht eine Frage im Digi-Raum und verschwindet nicht: War alles nur Simulation? Oder Simulation einer Simulation einer Simulation usw.? Eines ist sicher: Nur Hrundi verstand – kein Wunder, denn schon das Mittelalter wusste von der mathematischen Weisheit der Inder, vergleich Liber Algorismi de numero Indorum. Von den Indern schrieben zuerst die Araber ab, dann die alten Lateiner von den Arabern. Und das verleugnet Moses der alte Choresmier (al-Ḫwārizmī, genauer gesagt) ja auch gar nicht erst, soviel Größe muss sein – er war schließlich wahrlich interkultureller pontifex maximus 1.0 (eigentlich also: setunirmātā maksimāla)!

Unterwegs durch die Weiten Zentralasiens, vermutlich unter dem Effekt der Beschleunigung (wie jetzt Rosarot kommentieren würde, wäre er nicht überstürzt abgereist), wurde aus arabisch Al- das All. Und gleichzeitig, wegen der Verwechslung von L und I, entstand die AI. Beide – All und AI – existieren dualistisch und zugleich monistisch seit Urzeiten, wie die 0 und die 1, ohne weitere Beigesellung. So das Geheimnis der Geheimnisse, hier erstmals allen Nicht-Hobbits offenbart. Hat man die 0 und die 1, hat man alles. Wie der Herr Muskete. Die Macht ist mit ihm.

Ja, tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen? Frau sollte, in der Tat. So sprach sich mit Hrundi letztlich etwas aus, das ungeahnt größer war als selbst sein eigener Avatara: So spricht der Algorithmus (dixit Algorismus, heisst das, glaube ich, im Liber Algorismi ) sich selber aus, der Sprachakt an sich: Die Tat ist das Wort (oder so ähnlich). Er, der alles ausgelöst hatte, selbst ganz der Typ unbewegter Beweger, der Ultra-Digi-Code zum ultimativen Digi-Verständnis der absolut tiefsten Dimension aller Digi-Cluster um uns, in uns und um uns herum – der Super-Code schlechthin, Mutter des reinsten Bewusstseins aller Zeiten und Räume: Birdy num‑num.

Heinz Werner Wessler

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