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Das Kesh-Lochan-Ritual oder das nächste Level nach Vipassana?

Wer sich mit Südasien beschäftigt, trifft unweigerlich auch auf spirituelle Praktiken, die den Weg zur Befreiung und Erlösung unterstützen sollen. Eine solche Praxis, die auch im Westen zunehmend verbreitet ist, ist die Vipassana-Meditation, über die SÜDASIEN (Nr. 4/2025 und Nr. 1/2026) bereits berichtete.

Für alle, denen die einführenden zehntägigen Vipassana-Retreats lang und anstrengend erscheinen, gibt es heute auf MASALA weitere Anregung.

Das Kesh-Lochan-Ritual als Weg zur spirituellen Erhebung

In einem aktuellen Bericht der Hindustan Times geht es um den Jain-Mönch Dr. Muni Adarsh und seine Sicht auf die Bedeutung des Schmerzes. Das Kesh-Lochan-Ritual gehört zu den bekannten Praktiken des jainistischen Mönchslebens. Dabei werden die Haare auf dem Kopf von Hand in kleinen Büscheln ausgerissen. Das kann schmerzhaft sein und mit Blutungen einhergehen. Die Handlung hat jedoch eine symbolische Bedeutung: Sie steht für den Verzicht auf Eitelkeit und körperliche Anhaftung und erinnert an die Vergänglichkeit des Körpers.

Dr. Muni Adarsh beschreibt außerdem, wie eine derart schmerzhafte Erfahrung die Wahrnehmung von Schmerz verändern könne. Anstatt sich von ihm überwältigen zu lassen, lernten Praktizierende, ihn auszuhalten. So werde der Schmerz zu einer Gelegenheit, geistige Stärke und Selbstbeherrschung zu entwickeln.

Nach Darstellung von Muni Adarsh berichteten Praktizierende auch von einem veränderten Bewusstseinszustand, in dem das körperliche Leiden an Macht verliere. Jenseits des Unbehagens könne Stärke liegen und jenseits der Angst vor Schmerz ein Gefühl von Freiheit. Wer sich dem Schmerz bewusst stelle, könne nicht nur Ausdauer entwickeln, sondern auch ein Gefühl von innerem Frieden und Befreiung erfahren.

Zumindest für Jain-Mönche geht es bei derartigen Praktiken nicht um Selbstquälerei, sondern um Befreiung. Genauer gesagt geht es darum, sich von weltlichen Anhaftungen zu lösen und die Angst vor Unbehagen und körperlichen Grenzen zu überwinden. Schlussendlich steht damit auch eine grundlegende Frage im Raum: Inwieweit wird unser Leben von der Angst vor Schmerz geprägt, und was könnte jenseits davon liegen?

Haben Sie ebenfalls Erfahrungen mit solchen Praktiken gesammelt? Schreiben Sie uns gern.

Quelle:

https://www.hindustantimes.com/lifestyle/spiritual/dr-muni-adarsh-reveals-all-about-the-painful-jain-ritual-of-kesh-lochan-how-pain-is-path-to-reaching-a-higher-self-101775120589179.html

Foto: © Dainik Bhaskar

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