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Donald Trump in Dhaka

Wer sich über gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Südasien informieren möchte, ist mit deutschen Leitmedien häufig nur begrenzt gut beraten. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. So beschäftigte in den vergangenen Wochen ausgerechnet die Geschichte eines Albino Bullen aus Bangladesch auch deutsche und internationale Medien.

Der Grund: Das Tier soll eine verblüffende Ähnlichkeit mit Donald Trump aufweisen. Insbesondere die helle Haartolle ließ offenbar keinen Zweifel an seiner Identität aufkommen. Schnell wurde der Bulle in den sozialen Medien zum Star. Zahlreiche Besucher strömten zu seinem Hof nahe der Hauptstadt Dhaka, um Selfies mit dem tierischen Doppelgänger des US-Präsidenten zu machen.

Dabei sah die Zukunft von „Donald Trump“ zunächst düster aus. Für das islamische Opferfest Eid al Adha waren in Bangladesch Millionen Tierschlachtungen vorgesehen. Darunter auch die des berühmten Albino Bullen.

Doch Donald Trump hatte Glück. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete später, die bangladeschische Regierung habe in letzter Minute interveniert. Innenminister Salahuddin Ahmed habe angeordnet, den Käufer zu entschädigen, den Bullen nicht zu schlachten und ihn stattdessen in den Nationalzoo von Dhaka zu bringen. Als Begründung wurden Sicherheitsbedenken und das ungewöhnlich große öffentliche Interesse genannt.

Irgendwie ist diese Geschichte herrlich absurd. Trumps Frisur, seine Gestik und seine mediale Inszenierung sind offenbar weltweit sofort erkennbar. Selbst in einem Dorf nahe Dhaka funktioniert die Referenz ohne weitere Erklärung. Es gibt vermutlich nur wenige Menschen auf diesem Planeten, die allein anhand ihrer Haarpracht bis in einen bangladeschischen Kuhstall hinein identifizierbar sind.

Gleichzeitig offenbart die Geschichte aber auch eine gewisse Willkür menschlichen Mitgefühls. Jedes Jahr werden Millionen Tiere geschlachtet. Donald Trump wurde nicht gerettet, weil plötzlich ein gesellschaftliches Umdenken in Fragen der Tierethik eingesetzt hätte. Er wurde gerettet, weil er viral ging, einen prominenten Namen trug und sich gut fotografieren ließ. Unsere emotionale Reaktion folgt offenbar nicht immer moralischen Prinzipien, sondern häufig der Aufmerksamkeit.

Auch eine breitere deutsche Debatte über Tierethik oder Bangladesch hat die Geschichte nicht ausgelöst. Vielleicht sagt sie deshalb tatsächlich mehr über Menschen als über Bullen. Sie erinnert uns daran, wie selektiv Empathie sein kann.

Warum brauchen wir oft erst Prominenz, Wiedererkennungswert und ein gutes Foto, um Mitgefühl zu entwickeln?

Foto: © Instagram.

Quellen:
– Reuters (27.05.2026): Viral fame spares ‘Donald Trump’ buffalo from Eid sacrifice in Bangladesh. Verfügbar unter: https://www.reuters.com/world/asia-pacific/viral-fame-spares-donald-trump-buffalo-eid-sacrifice-bangladesh-2026-05-27/(abgerufen am 10.06.2026).
– Der Spiegel (23.05.2026): Albino-Bulle „Donald Trump“ wird zum Internetstar. Verfügbar unter: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/donald-trump-in-bangladesch-albino-bulle-wird-zum-internetstar-a-9ff5fc2c-fc9f-499a-a75a-76097ebe9a49 (abgerufen am 10.06.2026).

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